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SOZIALÖKONOMIE.INFO

7 | Dialog mit Kritik von Links

Wir wünschen uns einen konstruktiv-kritischen Dialog mit WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und Menschen aus der gesamten Zivilgesellschaft. Für Menschen, die sich selbst links von der Mitte verorten, sehen wir Anknüpfungspunkte für einen sachlichen Dialog in Verlautbarungen von

Christa Luft "Die nächste Wende kommt bestimmt" (Berlin 2. Aufl. 1994) 
INFO

Elmar Altvater & Birgit Mahnkopf "Grenzen der Globalisierung – Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft" (Münster 1. Auflage 1996) INFO

Ulrich Maurer "Eiszeit - Staatsstreich des Kapitals oder Renaissance der Linken" (München 2006)  INFO

Elmar Altvater & Birgit Mahnkopf "Grenzen der Globalisierung – Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft" (Münster 7. Auflage 2007) INFO

Bodo Ramelow "Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde" (Berlin 2010)  INFO

Sarah Wagenknecht "Freiheit statt Kapitalismus"  (Frankfurt/M. 2011) INFO

Michael Kohlstruck "Völkische Geschichtsauffassung und erinnerungspolitische Argumentationen im deutschen Rechtsextremismus der Gegenwart", in: Jahrbuch für Politik und Geschichte 2 (2011), S. 41-56.

Prof. Dr. Christa Luft
Die nächste Wende kommt bestimmt

Berlin 2. Aufl. 1994, s. S. 205-210.

„Marktwirtschaft und Kapitalismus sind für mich keine Synonyme. Kapitalismus ist nicht ohne Marktwirtschaft denkbar. Aber eine Marktwirtschaft ohne Dominanz der Kapitallogik halte ich für keine Utopie. …

Konturen einer marktwirtschaftlich verfassten, aber nicht kapitaldominierten Gesellschaft könnten sich erstens herausbilden, indem der durch menschliche Arbeit weder geschaffene noch vermehrbare Grund und Boden in unveräußerliches Gemeineigentum überführt und von kommunalen Körperschaften verwaltet wird. …

Die Gesellschaft könnte die Kapitaldominanz zweitens einschränken, wenn sie die Rolle des zinstragenden Geldes als Machtinstrument … zurückdrängte. … Dringend geboten wäre eine Reform des Geldwesens. In der internationalen Diskussion sind z. B. die Verstaatlichung der privaten Banken oder die Einführung einer ‚Parkgebühr’ für stillgelegtes, dem Wirtschaftskreislauf entzogenes Geld. Solche Ideen scheinen für die baldige Umsetzung nicht reif. Aber sie regen an und bedürfen der weiteren Erörterung. …

Eine nicht kapitaldominierte Marktwirtschaft kann sich drittens in einer pluralistischen Eigentumsordnung entwickeln, in der privates ebenso wie kommunales, genossenschaftliches und staatliches Eigentum Platz haben. …

Für Gemeineigentum an Grund und Boden sowie ein reformiertes Geldwesen sind in absehbarer Zeit schwerlich Realisierungschancen gegeben. Dennoch muss die Öffentlichkeit für diese Themen sensibilisiert werden. …

Der Staatssozialismus ist tot. Das heißt umgekehrt nicht, der real existierende Kapitalismus sei gesund und hätte – in welchen Schattierungen auch immer – das ewige Leben. Die Suche nach Alternativen bleibt eine Herausforderung für den menschlichen Geist.“   

Prof. Dr. Elmar Altvater & Prof. Dr. Birgit Mahnkopf
Grenzen der Globalisierung – Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft
Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 1. Auflage 1996.

  „Geld ist weder Schleier noch ‚pfiffig ausgedachtes’ Auskunftsmittel (Marx) noch bloßes neutrales Zirkulationsmittel.“
(S. 145 am Beginn des 5. Kapitels „Der ubiquitäre Geldfetisch“.)

„Schon Aristoteles übt Kritik am ‚Kapitalerwerbswesen’. Geld ist ‚Element und Grenze des Tauschverkehrs. Und unbegrenzt ist also dieser Reichtum. ... Alle Geschäftemacher ... wollen ins Unbegrenzte hinein ihr Geld vermehren. ... Weil jenes Begehren ins Grenzenlose geht, so begehren sie auch unbegrenzte Möglichkeiten, dies zu bewerkstelligen.“ (S. 166. - Aristoteles 1989 (Politik, 1. Buch, 1256b)

„Zinsen auf geliehenes Geld, das nicht vom Schuldner als Kapital zur Produktion eines Mehrwerts eingesetzt werden kann, sind tatsächlich ein sozialer und ökonomischer Fremdkörper, der folglich in allen großen Weltreligionen geächtet, ja perhorresziert wird. Zinsen wirken wie eine Steuer auf den Produktionsprozess, der daher unbedingt einen Überschuss erbringen muss. In diesem ökonomischen Zwang, in der harten ‚Budgetrestriktion’ kommt die Unterwerfung sozialer, politischer und natürlicher Verhältnisse unter das ökonomische Prinzip zum Ausdruck.
   Dieser Zwang als solcher ist nicht neu. Er hat in den großen Religionen und philosophischen Systemen Abwehrreaktionen ausgelöst: das islamische oder kanonische Zinsverbot. Auf dem Zweiten Lateranischen Konzil von 1139 wurden Wucherer, d.h. Leute, die Zinsen nahmen, mit harten weltlichen und göttlichen Strafen bedroht: ihnen sollte die Beichte, ja das christliche Begräbnis verwehrt bleiben. Später wurde diese drakonische Regel abgewandelt. Kreditgeber kamen nicht in die Hölle. Für sie wurde das ‚Fegefeuer’ erfunden, in dem sie eine gewisse Zeitperiode zur Reinigung von der Sünde des Zinsschneidens schmoren sollten, um danach aber unbedingten Zugang zum Himmel zu erhalten (Le Goff 1988). Der Zwang, dem Schuldner ausgesetzt werden, kann so gewaltig sein, dass ihre Vermögen aufgezehrt und ihre Existenz zerstört werden. Die sozialen Folgen einer Überschuldung sind zersetzend. In früheren Zeiten drohten Schuldknechtschaft und Schuldturm, heute andere, rationalisierte Formen der Abhängigkeit und der Einengung von Handlungsspielräumen.“ (S. 166 - 167)

„Auch im Islam gibt es das Zinsverbot verbaliter bis in unsere Tage; nur ist es dadurch de facto aufgehoben, dass an Stelle der Zinsen Gebühren und Gewinne auf Beteiligungen gezahlt werden, die aber ökonomisch wie Zinsen wirken“.  (S. 167)

„Geld ist immer eine pekuniäre Forderung, der eine pekuniäre Verpflichtung gegenübersteht. Mit dem Wachstum der Geldvermögen steigen auch die Schulden und mit ihnen der Zwang, einen Überschuss zu erzeugen, um Geldvermögen bedienen zu können.“ (S. 167)

„Da das Geld eine Größe ist, die sich als Geld (also nicht als Zirkulationsmittel, wo die zu zirkulierenden Waren, sogar quantitätstheoretisch begründbar, ein reales Maß vorgeben) selbstreferenziell auf sich in Form des intertemporalen Zinssatzes bezieht, ist das Regelventil im Prinzip ausgeschaltet. Es gibt nur eine externe Regelgröße, nämlich die reale Leistungsfähigkeit von Schuldnern. Diese wird gerade durch die Wirkung der harten Budgetrestriktionen des Geldes höher gestellt. Denn die Dynamik des Geldes verlangt auch der realen Ökonomie und der Gesellschaft eine permanente Dynamisierung ab. Allerdings sind die Steigerungsmöglichkeiten des Surplus energetisch und material und daher auch ökonomisch (die Grenzkosten des Produktivitätsfortschritts steigen überproportional an) und sozial (der Widerstand gegen die ‚Gewalt des Geldes’ wächst) doch begrenzt. Daran ändern keine Finanzinnovationen etwas. Dann könnte es geschehen, dass der sich aufstauende Druck des Geldsystems in den bereits bekannten beiden Formen - Bankrott oder/und Schuldenerlass - Luft macht. Die Zinsforderungen der Geldvermögensbesitzer sind also in Relation zur Produktivitätssteigerung und zur Profitrate auf Produktivkapital zu sehen. Wenn man das Wachstum des Arbeitsvolumens einbezieht, könnte die Wachstumsrate des Inlandsprodukts als Referenzgröße genommen werden. Dabei können, zusammenfassend, mehrere Fälle unterschieden werden:
1.:  Zinsen = 0. Fall des islamischen oder aristotelischen Zinsverbots in „langsamen“ Gesellschaften.
2.:  Zinsen < Produktivitätssteigerung. Kein Problem mit Zinsendienst, solange überhaupt die Produktivität steigt.
3.:  Zinsen < Profitrate. Kein Problem mit Zinsendienst; kein Hindernis für Akkumulation.
4.:  Zinsen > Profitrate. Zinsendienst geht an die produktive Substanz; Verringerung der Akkumulationsrate.
5.:  Zinsen > Produktivitätssteigerung. Zinsendienst nur möglich durch Umverteilung zu Lasten der Löhne und Gewinne.
Nur die ersten drei Fälle sind für den realökonomischen Akkumulationsprozess unproblematisch; die beiden letzten Fälle bewirken eine Verlangsamung der Akkumulation und verlangen gar einen Umverteilungsprozess des Wertprodukts, der globale Ausmaße annimmt.“ (S. 168-169)

„Die Staatsschulden sind also offensichtlich eine Funktionsnotwendigkeit im deregulierten Derivatenkapitalismus. Die Bedienung freilich wirft Probleme auf, da diese die Funktion der Erhaltung privater Geldvermögen nicht erfüllen könnte, wenn der öffentliche Schuldendienst durch Steuern auf Geldvermögen finanziert würde. Dann bleibt nur der Zugriff auf die Einkommen der Nicht-Geldvermögensbesitzer und die sozialstaatlichen Transferzahlungen.“ (S. 171)  

Ulrich Maurer
Eiszeit - Staatsstreich des Kapitals oder Renaissance der Linken
München 2006.

„Es ist phantastisch, wie sich der Zynismus der entfesselten Geldgier seine eigene ‚Theologie’ erschaffen hat. … Die neue Kirche hat auch ihre eigenen Sakralbauten, die Kathedralen und Türme des Geldes. Die Archäologen der Zukunft werden bei ihren Ausgrabungen unschwer erkennen, welcher Gott in unseren Tagen angebetet wurde.“ (S. 154 und 157)

„Eine Linke, die sich als antikapitalistisch versteht, sollte ihr Verhältnis zum Zins neu überdenken. Man sollte bedenken, dass es ohne Zinsen kein Finanzkapital geben kann, ohne Finanzkapital keinen Imperialismus und keine Globalisierung. In diesem Punkt – in der Kritik an Habgier, Diebstahl und der Überbewertung des Ökonomischen – können Gläubige und Linke den Schulterschluss suchen. … Auch die beinahe religiöse Fortschritts- und Technikvergötterung der Linken war ein Irrweg.“ (S. 253-254)

„Die Antwort der neuen Linken auf den globalisierten Kapitalismus heißt nicht Verstaatlichung, sondern Vergesellschaftung. Es ist unverkennbar, dass Verstaatlichung zwingend mit absoluter Machtkonzentration und in der Folge mit Feudalisierung einhergeht. Nicht die Marktkonkurrenz an sich ist das eigentliche Übel des Kapitalismus, sondern die schrankenlose Macht- und Profitorientierung mit ihrer innewohnenden Tendenz zur Kapital- und Machtkonzentration, zur Entstaatlichung und zur Zerstörung aller gesellschaftlichen Strukturen, die diesem Macht- und Gewinninteresse im Wege stehen. Ein ökonomisches und gesellschaftliches Modell der Linken muss deshalb auf einem Höchstmaß an kommunaler Selbstverwaltung und genossenschaftlichen Organisationsformen beruhen, sowie auf einer staatlichen Verfassung, die jeden Ansatz zur Bildung auch nur regionaler politischer oder ökonomischer Monopole unterbindet.“ (S. 261) 

Prof. Dr. Elmar Altvater & Prof. Dr. Birgit Mahnkopf
Grenzen der Globalisierung – Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft
Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 7. Auflage 2007.

„Vielmehr weist die kapitalistische Ökonomie eine spezifische hierarchische Anordnung von Märkten auf: Der Geldmarkt steuert den Gütermarkt, und dessen Entwicklung ist für die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, also auch für Beschäftigung und Lohneinkommen, entscheidend.“ (S. 109)

„Die Zinsen sind wie eine ‚Steuer’, die auf die Produktion gelegt wird. Sie erzwingen erwerbswirtschaftliches Verhalten und die entsprechende ‚erwerbswirtschaftliche Rationalität’ (Max Weber), die mitverantwortlich für die enorme kapitalistische Dynamik ist, die außerhalb der Geldlogik keine anderen Handlungsmaximen erkennt und anerkennt.“ (S. 166)

„Denn Schuldner haben den Preis des Geldes (Zinsen) an die Geldvermögensbesitzer zu entrichten, und daher müssen sie bei der Verwendung des Geldes kapitalistisch vorgehen und einen ausreichenden Profit produzieren (lassen), um die Zinsen geliehenen Geldes zu bedienen. Zinsen werden aus den produzierten Überschüssen beglichen, sie sind, sofern ihnen eine reale und nicht nur monetäre Größe zukommt, ein Teil des (globalen) Mehrwerts, der im Zuge der Arbitragetätigkeiten auf den globalen Finanzmärkten umverteilt wird.“ (S. 168 - 169)

„Zinsen erzwingen Produktivitätssteigerungen im Produktionsprozess und sie begrenzen die Möglichkeiten zur Veränderung der Verteilungsrelationen des produzierten Einkommens zwischen Lohnarbeit und Kapital.“ (S. 168)

„Die Zinsen können zu hoch sein - im Vergleich zur Rentabilität produktiver Investitionen und zur Wachstumsrate des Sozialprodukts. Dann reichen die Überschüsse nicht mehr, um die Zinsen abzudecken, so dass die Zahlungen nur erfolgen können, wenn die Vermögenssubstanz von Schuldnern zum Einsatz gelangt.“ (S. 169)

„Wenn die Realzinsen in einer längeren Periode oberhalb der realen Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts liegen, ergeben sich regressive Verteilungseffekte. Schuldner verarmen und gleichzeitig nimmt der Reichtum von Geldvermögensbesitzern extrem zu.“ (S. 170)

„Die Forderungen (‚claims’) üben immer dann eine fatale Rolle aus, wenn die Zinsen höher liegen als die reale Wachstumsrate (oder die Rentabilität von kreditfinanzierten Investitionsobjekten). Dies ist aber … seit Beginn der 1980er Jahre der Fall.“ (S. 191 - 192)

„Die Kehrseite der Akkumulation von Finanzaktiva ist die Anhäufung von Schulden.“ (S. 194)

„Schulden erzwingen mithin eine den Zinsverpflichtungen angemessene Rentabilität und daher die entsprechende wirtschaftlich-rationale Gestaltung des Produktionsprozesses, also die Übernahme und Vervollkommnung der ‚Kapitalrechnung’ (Weber 1976: 48ff), die adäquate Technikwahl und eine Verteilung zwischen Löhnen und Profiten, die die Aufbringung der Zinsen ermöglicht. Dieser Zwang als solcher ist nicht neu. Er hat in den großen Religionen und philosophischen Systemen Abwehrreaktionen ausgelöst: das islamische oder das kanonische Zinsverbot.“ (S. 195)

„Die Zinsen, so hieß es, sind wie eine „Steuer auf die Produktion“. Nun zeigt es sich, dass die Zinsen tatsächlich durch die hoheitliche Erhebung von Steuern aufgebracht werden müssen. Die ist sozial und ökonomisch außerordentlich kostspielig, da die Leistungen für den Schuldendienst (im Sekundärbudget) den Spielraum für staatliche Politikgestaltung (im Primärbudget) einschränken. Finanzminister erwerben sich politischen Glanz, indem sie harte Sparpakete schnüren, in denen der Schuldendienst politisch unhinterfragbares, extern fixiertes Datum ist. Problematisch ist dabei, dass mit den öffentlich garantierten Zinszahlungen nicht nur Sozialleistungen unter Druck geraten, sondern dass auf diese Weise - positiver Rückkopplungseffekt - die Geldvermögen weiter steigen und mit ihnen - wenn die Realzinsen nicht sinken - die Zinsansprüche. Hinzu kommt, dass in vielen Ländern Zinseinkünfte gar nicht oder geringer besteuert sind als andere Einkünfte. Die Bezieher von Kontrakteinkommen finanzieren folglich einen wachsenden Teil der Staatsaufgaben.“ (S. 201)

„Schuldner werden als ‚Fraktionen’ des Weltkapitals behandelt und müssen harte Anpassungsleistungen erbringen, um wieder ‚attraktiv’ für Kapitalanlagen zu werden. Gläubiger müssen dies nicht. Diese Logik der Ungleichbehandlung von Gläubigern und Schuldnern im globalen System ist von Keynes während der Verhandlungen um das internationale Währungssystem 1944 kritisiert worden. Sein damaliger ‚Keynes-Plan’ sah ja die Notwendigkeit auch für Überschuss- und daher Gläubigerländer vor, ihre Wirtschaftspolitik so zu gestalten, dass die Überschüsse abgebaut werden. Dieser Plan ist damals verworfen worden; nur Schuldner sollten ihre Wirtschaftspolitik anpassen müssen.“ (S. 213)

„Die Zinsen werden nur sinken können, wenn die Risiken der globalen Finanztransaktionen geringer werden. Diesen Effekt können die bislang aufgeführten Maßnahmen haben, so dass die Risikokomponente im Zins (der Spread) reduziert werden kann. Doch bleibt dies eine marktkonforme Maßnahme. Die erleichternde Zinssenkung unter die reale Wachstumsrate kann so nicht erreicht werden. In Zeiten der ‚great transformation’ des vergangenen Jahrhunderts haben Schuldnerbankrotte die Bereinigung und die Senkung der Zinsen bewirkt. Das Problem heute ist darin zu sehen, dass von den internationalen Institutionen eine Kapitalvernichtung (Entwertung von Geldvermögen) verhindert wird.“ (S. 218)

„Die gewachsenen öffentlichen Schulden (in Relation zum BIP) sind die Kehrseite der ebenfalls gewachsenen privaten Geldvermögen, vor allem im Bankensektor. Wenn man also die öffentlichen Schulden ‚nachhaltig’ - also nicht nur auf ein Jahr bezogen, sondern dauerhaft - eindämmen will, müssen die privaten Geldvermögen abgebaut werden. Das ist eine Strategie, die fast einer Währungsreform entspricht.“ (S. 415)
„Das nächste Problem ist … das der Verteilung, wenn der Planet Erde als ein einziger Umweltraum aller Menschen - der gegenwärtigen und zukünftiger Generationen - verstanden wird, die alle gleiches Recht als Erdenbürger in Anspruch nehmen können.“ (S. 462)

„Von der Anwendung politischer und militärischer Macht zur Regulierung von Ressourcen und Emissionskonflikten kann also ebenso wenig eine globale Gleichverteilung der Zugriffsmöglichkeiten auf die Natur erwartet werden wie vom Wirken des Marktmechanismus. Es bleibt die dritte Möglichkeit der Verteilung positioneller Güter gemäß dem Prinzip der Solidarität. Dieses widerspricht den ökonomischen Prinzipien des Marktes ebenso wie den politischen Prinzipien des Machterhalts und der Machtausweitung. Denn alle Menschen hätten im Prinzip den gleichen Anspruch auf die Nutzung der Natur.“ (S. 475)  

Bodo Ramelow
Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde …
in: Linksfraktion (Hrsg.), Kämpfe für eine solidarische Welt – Theologie der Befreiung und demokratischer Sozialismus im Dialog, Berlin 2010, S. 67–71.
http://www.bodo-ramelow.de/fileadmin/bodoramelow/Bilder_importiert/dokumente/Kritik-des-Himmels_Ramelo w-RLS_Brosch%C3%BCre_2010.pdf

„Der Finanzmarkt globalisiert sich, die Ausbeutungsstruktur wächst über den Finanzmarkt bzw. mit dynamischer Hilfe eben dieser. Der Kapitalismus ist nicht länger der Industriekapitalismus des 18. oder 19. Jahrhunderts. Heute leben wir im finanz¬markt-getriebenen Turbokapitalismus. …

Die Linke fordert deshalb einen großen transformatorischen Prozess gesellschaftlicher Umgestaltung, einen Prozess der von vielen kleinen und großen Reformschritten, von Brüchen und Umwälzungen revolutionärer Tiefe gekennzeichnet sein wird. Die Schwierigkeit besteht nun in der konkreten Umsetzung dieser vielen Schritte, für die Mehrheiten gebraucht werden. Und dies muss im finanzmarktgetriebenen Kapitalismus mit der grundlegenden Veränderung der Finanzmärkte einhergehen.

Erinnert sei hier an das Zinsverbot. … Interessant ist, dass es ausgerechnet im Kerneuropa, welches sich das christliche Abendland nennt, das Zinsverbot der Bibel, das auch im Koran ausgesprochen wird, völlig in Vergessenheit geriet. Über lange Zeit war es im Christentum präsent; später wurde es abgeschwächt bzw. ganz aufgehoben. Aber angesichts der Krisen des Finanzmarktkapitalismus lohnt es sich, neu darüber nachzudenken, auch als möglicher und gar nicht so utopischer Weg. … Als geistige Werkzeuge und Rüstzeug eignen sich hierfür Marx’sche Kapitalismusanalysen wie auch biblische Texte und die Ansätze der Befreiungstheologie, die Theorie und Praxis organisch verbinden.“  

Sahra Wagenknecht
Freiheit statt Kapitalismus
Frankfurt/M. 2011.

„Totentanz der Finanzgiganten: Als im Herbst 2008 das Weltfinanzsystem in lichten Flammen stand und die Regierungen nahezu aller Industrieländer sich gezwungen sahen, hunderte Milliarden Euro und Dollar in die Glut zu werfen, um wenigstens die gefährlichsten Brandherde zu ersticken, waren viele heilige Schwüre gen Himmel geflogen: Den Zockerbanden sollte das Handwerk gelegt, hochriskante Renditeschinderei auf Kosten der Allgemeinheit in Zukunft verhindert werden. … Schluss sollte sein mit einem System der Gier und Selbstbereicherung, das mit seinen giftigen Ausscheidungen ganz Volkswirtschaften in den Ruin zu treiben drohte. … Zwar wurde hier ein wenig geflickt und dort ein bisschen nachgebessert, aber der eigentlichen Ursache der ganzen Malaise wurde nicht zu Leibe gerückt: Diese Ursache ist ein seit drei Jahrzehnten völlig unverhältnismäßig wuchernder Finanzsektor, der trotz (oder gerade wegen!) seiner mittlerweile gigantischen Größe und Macht seine eigentliche und wichtigste Aufgabe nicht mehr erfüllt: die Ersparnisse der Menschen in halbwegs sinnvolle produktive Verwendungen zu lenken.“ (S. 33–34)

„Finanzinnovationen – mit diesem Begriff, der Fortschritt und Kreativität signalisieren soll, wird die Flut all jener Finanzpapiere umschrieben, die die Märkte in den letzten Jahrzehnten überschwemmt und immer krisenanfälliger und unübersichtlicher gemacht haben. … Der ehemalige US-Notenbankchef Paul Volcker vertritt die Meinung, dass die einzig nützliche ‚Finanzinnovation’ des letzten Vierteljahrhunderts die Erfindung des Geldautomaten war. Alles andere sei Wildwuchs, ohne wirtschaftlichen Sinn und Verstand. Aber natürlich trotzdem hochprofitabel für die Finanzindustrie.“ (S. 40–41)

„Tatsächlich gibt es kaum einen Markt, der so wenig mit dem zu tun hat, was man normalerweise unter ‚Markt’ versteht, wie der heutige globale Finanzmarkt. … Eine Grundbedingung dafür, dass ein Markt funktioniert, besteht darin, dass kein Akteur – kein Anbieter und auch kein Nachfrager – so groß sein darf, dass er den Preis eines Gutes oder die Menge, in der es sich auf dem Markt befindet, nach Lust und Laune bestimmen kann. Genau das aber ist auf den heutigen Finanzmärkten der Fall. Fast alles wird von ganz wenigen Akteuren bestimmt.“ (S. 55)

„Dem Finanzmarkt fehlt noch ein weiteres wichtiges Prinzip, das eine Voraussetzung für das Funktionieren von Märkten ist: das Prinzip der Haftung.“ (S. 63)

„In Wahrheit beruhen die Billionen an Geldvermögen, die sich … heute auf den Finanzmärkten türmen, auf nichts als solchen Schneeballsystemen, die in dem Augenblick in sich zusammenbrechen müssen, wo der Geld-Helikopter nicht mehr für Nachschub sorgt, also der Kreditmotor stottert.“ (S. 79–80)

„Der Finanzinvestor ist eher der Anti-Investitions-Anleger, denn er strebt danach die Mittel, die das Unternehmen eigentlich für Investitionen bräuchte, möglichst umfassend aus ihm heraus zu ziehen, weil er an der langfristigen Unternehmensentwicklung ohnehin nicht interessiert ist. Die institutionellen Investoren sind in den letzten Jahrzehnten auf den Aktienmärkten immer dominanter geworden, weil die Vermögensexplosion infolge der Geldmaschine der Banken und der Einkommensumverteilung zugunsten der Reichen sowie die weltweite Privatisierung der Rente zunehmend gewaltigere Summen Anlagen suchender Gelder in ihrer Verfügung konzentriert haben.“ (S. 98)

„Nichts ist verlogener als die These, wir lebten in einer Leistungsgesellschaft. … Eine Gesellschaft, die unnützes Tun so ungleich viel höher honoriert als sinnvolles und nützliches, beruht offensichtlich nicht auf leistungsgerechter Bezahlung, sondern auf dem genauen Gegenteil. Der Fehler des heutigen Kapitalismus ist nicht, dass er eine Leistungsgesellschaft wäre, sondern dass er keine Leistungsgesellschaft ist.“ (S. 111 – 112)

„Tatsächlich speist sich die Vermögensbildung zum übergroßen Teil aus den Einkünften aus bereits vorhandenem Vermögen. Immerhin 80 Prozent des neu gebildeten Geldvermögens entstehen in der Bundesrepublik aus Zinsen und Dividenden.“ (S. 119)  

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